Hausbesuch: Sorry, ich muss schlafen!

Recherche, Übung, Theater

Hausbesuch: Sorry, ich muss schlafen!

Recherche, Übung, Theater

Während der Recherche ist uns eine möglichst direkte Überführung vom Leben in das Theater und vom Theater in das Leben wichtig. Indem wir im Schlaf aus dem Alltag heraustreten, eröffnen sich neue, radikal persönliche und für andere unzugängliche Räume des Fühlens, des Phantasierens, des Erinnerns und Wissens. Diese Räume betreten wir in dem wir in wöchentlichen offenen online Proben auf Menschen treffen, die bereit sind ihre Träume mit uns zu teilen. Weiterhin wird dieser offene theatrale Raum durch analoge Proben in privaten Wohn- und Schlafzimmern diverser Bürgerïnnen erweitert. Denn der Mensch schläft, um sich zu erinnern, zu genießen, zu fühlen, zu lernen, zu kommunizieren, zu hinterfragen und zu kritisieren.

In den Häusern, Gärten, zu denen wir im Rahmen unserer Arbeit eingeladen werden, üben wir das Miteinander in mehreren Rollen. Wir denken über jeden Besuch separat nach. Wir bereiten vor. Wir machen Tests zu Covid, wir bringen Geschenke, Kuchen, wir kommen mit Musik, wir tanzen, singen, wir führen ein Küchengespräch, wir sitzen zusammen bei einem speziell für uns zubereiteten Abendessen, wir machen eine Theaterprobe in hausgemachter Fertigszenografie, wir laden die Gastgeber zu neuen Szenen ein, wir bitten um Träume, wir schauen uns Familienfotos an, wir helfen beim Aufräumen. Behutsam, ohne sich jemandem aufzudrängen, praktizieren wir Gemeinschaft über Unterschiede hinweg. Alle Besuche bedeuten konkretes Wissen und Input, das wir dann an ein breiteres Publikum in künstlerischen Begegnungen in unterschiedlichen Formaten und Orte weitertragen.

Ensemble: Abdullah Moradi, Amir Hosseini, Amir Jafari, Anna Buchta, Anna Hauke, Betty Schiel, Emilia Hagelganz, Lisa Domin, Naomi Cosma Rüttgers, Ralf Tibor Stemmer, Seratu Bah, Yacouba Coulibaly, Zofia Bartoszewicz

Zofia Bartoszewicz, Emilia Hagelganz 1. April, 2020

Video Lisa Domin, Maria Vogt