LWL-Crossoverpreis 2026
Jurybegründung
Der LWL-Crossoverpreis 2026 wird an LABSA – Labor für sensorische Annehmlichkeiten e.V. mit Sitz in Dortmund vergeben. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) verleiht die mit 35.000 Euro dotierte Auszeichnung erstmals für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der interdisziplinären Künste.

Der Verein Labor für sensorische Annehmlichkeiten (LABSA) wurde 2008 in Dortmund gegründet. Er verfolgt das Ziel, durch interdisziplinäre künstlerische Projekte einen Raum für kreative Zusammenarbeit und kulturellen Austausch zu schaffen, insbesondere in der Auseinandersetzung mit Migrationsgeschichte(n) und individuell-biografischen Perspektiven. Dabei verbindet die Arbeitsweise von LABSA hohen künstlerischen Anspruch mit radikaler Offenheit: Unterschiedliche Anliegen und Arten, die Welt zu erleben, werden als zentrale Gestaltungselemente genutzt, die den künstlerischen Ausdruck bereichern und den Dialog zwischen den verschiedenen Kunstformen fördern. Was künstlerische Qualität ist und wer dies bestimmt, wird durch die mutige Praxis des Vereins fortlaufend verhandelt. Ihre Auftritte finden in Museen und auf Gehwegen statt, in der privaten Küche oder dem Theater. Ein wichtiges Element der künstlerischen Arbeitsweise von LABSA ist Kontinuität, die Vertrauen schafft: LABSA öffnet konsequent einmal wöchentlich die Türen und wer da ist, darf mitmachen. Die Beteiligten – ob professionell, autodidaktisch, einfach neugierig, neu in der Stadt oder seit Jahren aktiv – prägen die Arbeitsweise des Vereins und eröffnen ungewöhnliche und nicht immer planbare Möglichkeiten des gemeinsamen Produzierens, Lernens und Teilens. Es entsteht ein Raum, in dem Austausch nicht das Ziel darstellt, sondern Bedingung ist. Die Kunst des Willkommenheißens und aufeinander Einlassens spielt dabei eine zentrale Rolle.

Seit 2015 mündet diese Regelmäßigkeit in künstlerische Produktionen aus allen Sparten mit dem transnationalen Ensemble. Internationale Kooperationen und länderübergreifende Austauschformate wie die Projekte Unexpected Lessons From Dreams (seit 2020) oder Folklore, die es nicht gab (2024) ergeben sich häufig aus den Biografien der Beteiligten. Sie tragen maßgeblich zum Profil von LABSA bei. Der interdisziplinäre Ansatz von LABSA ist mit Blick auf seine Durchlässigkeit und Flexibilität ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Umsetzung des Crossover-Gedankens.
Diese Haltung prägt den Verein seit seiner Gründung und wurde kontinuierlich weiterentwickelt – so konsequent, dass LABSA überregional eine Vorreiterrolle einnimmt, die durch den LWL- Crossoverpreis zusätzlich gestärkt werden soll. Die Jury würdigt den Verein für seine langjährige herausragende Arbeit, die durch einen multisensorischen Ansatz die Grenzen traditioneller künstlerischer Disziplinen aufbricht und neue Formen der Kunst sowie ihrer Vermittlung ermöglicht. Die Jury hebt hervor, dass LABSA nicht nur als künstlerische Plattform wirkt, sondern zugleich gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernimmt, indem durch die Zusammenführung verschiedener kultureller Perspektiven Räume für gemeinsames Arbeiten und künstlerischen Austausch auf Augenhöhe erprobt werden. Dies fördert gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht LABSA zu einem besonders wertvollen Player in der Kulturlandschaft in Westfalen-Lippe und darüber hinaus.

Der Preisträger wurde aus einer Reihe von insgesamt 12 Vorschlägen von einer sechsköpfigen unabhängigen Fachjury ermittelt. Deren Mitglieder sind: Elikem Anyigba (Theater- und Filmemacher, Projektleitung vier.zentrale des Theaters an der Ruhr, Mühlheim an der Ruhr; Juryvorsitz), Eva Busch (Kuratorin und stellvertretende Direktorin am Kunstmuseum Bochum), Dodzi Dougban (Tauber Tänzer, Choreograph, Schauspieler und Model, Dozent für nonverbale Kommunikation, Recklinghausen), Daniel Neugebauer (Kurator am Haus der Kulturen der Welt, Berlin), Theresa Roessler (Direktorin des Westfälischen Kunstvereins, Münster) und Dr. Mirijam Streibl (Musikwissenschaftlerin, Philosophin und Soundkünstlerin, Münster / Wien).